Interaktive Medizin

Die Möglichkeiten einer Klinik

Medizin ist Prozess:
Wenn jemand eine stationäre Behandlung beginnt, ist es hilfreich, in kurzen Worten zu erklären, worum es in der Therapie geht. Es geht darum, dass der Leidende medizinisch behandelt wird und trotzdem in der Lage ist, psychotherapeutisch an sich selbst zu arbeiten. Dies bedeutet, dass der stationäre Aufenthalt nicht nur, wie normalerweise, darin besteht, dass der Patient untersucht wird, behandelt wird und Medikamente erhält.

Es wird vor allem versucht, einen Prozess in Gang zu setzen, bei dem der Patient auch mit ärztlich „steuernder“ Hilfe lernt, gesundheitliche Probleme als Chancen zum Neubeginn zu begreifen. Wir als Therapeuten haben die Aufgabe, den Patienten in seinem Heilungsprozess zu begleiten, darauf zu achten, dass er gefordert wird, dass er sich aber nicht selbst überfordert.

Die Symptome (körperlicher oder seelischer Art):
Der Patient kommt mit Konfliktbelastungen und Symptomen in die Behandlung, die einer akuten Therapie bedürfen. Diese sind Folgen einer Erkrankung, die somatisch oder psychopathologisch diagnostiziert werden muss. Die Erkrankung ist als Ausdruck und Signal nicht rechtzeitig wahr- oder ernstgenommener körperlicher oder seelischer Probleme zu begreifen.

Die Ursachen (Diagnostik):
Wenn eine Therapie angemessen durchgeführt werden soll, bedeutet dies weit mehr als eine Behandlung von Symptomen. Eine reine Symptombehandlung, eine Vernachlässigung der Ursachen, führt nicht zu einem wirklichen Erfolg. Jeder, der leidet, verfolgt aber eigentlich nur ein Ziel, nämlich sein Leiden so schnell wie möglich „los zu werden“. Insofern wird der Patient, der uns gegenüber steht, zunächst Schwierigkeiten haben, zu akzeptieren, dass wir körperliche Untersuchungen machen oder Gespräche führen, die mit seiner Symptomatik anscheinend nichts zu tun haben. Er wird unter Umständen den Eindruck gewinnen, dass es um belanglose Dinge geht. Denn erst im Laufe der Zeit kann er tatsächlich spüren, dass Untersuchungen und Gespräche auch mit seinen Symptomen in Zusammenhang stehen. Er wird beispielsweise wahrnehmen, dass sich aufgrund einer Gruppensitzung seine Kopfschmerzen verstärken, dass z.B. sein Blutdruck bei der Arbeit ansteigt, dass sein hoher Lipidspiegel unter Umständen in Zusammenhang mit Stress steht. Er erlebt, dass seine Symptome in Zusammenhang mit Konflikten oder Ängsten stehen. Deren Dramatik kann nun in der stationären Behandlung durch Dialog abgebaut werden. So erlebt der Patient, dass Heilung auch durch reflektierte Beziehung zu Ursachen beginnt.

Der Konflikt (Die Auseinandersetzung mit der Krankheit – Realitätsarbeit):
Natürlich entsteht ein Konflikt, wenn zur Krankheit als solcher auch noch die Aufgabe des Kranken hinzukommt, sie zu verstehen. Er fühlt sich „überfordert“. Auf der einen Seite fürchtet er seine gesundheitlichen Probleme oder Ängste, auf der anderen Seite muss er sich mit ihnen auseinandersetzen. Es findet eine Parallele zum Leben statt, indem er vielleicht mit dem Schicksal hadert, ohne sich mit ihm auseinandersetzen zu können.

Der nächste Schritt in der therapeutischen Entwicklung wäre der, dass der Patient erkennen kann, dass er in vielen Bereichen die Auseinandersetzungen mit sich selbst führt. Er entdeckt Probleme in sich, die ihn oft daran hindern, das zu tun, was er im Grunde genommen für richtig hält. In diesem Moment ist der Therapeut nicht mehr, wie anfangs häufig subjektiv erlebt, ein „Gegner“. Der Arzt ist nun sein Verbündeter auf dem Weg zur Gesundung.