Kybernetisch geprägte psychologische Medizin

In somatischer Hinsicht ist dies z.B. durch ökologische Impulse (z.B. Aktivierung des Immunsystems im Reizklima des Meers oder Gebirges) oder somatische Impulse (z.B. bei Medikation, Körpertherapie oder Physiotherapie) möglich. Dies gelingt durch Sensibilisierung neuro-immunologischer oder neuro-senso-motorischer Systeme. Es werden dadurch neuronale oder neuro-hormonelle Überträgersubstanzen in den Synapsen aktiviert, ebenso hormonelle Überträgersubstanzen im Blut- und Lymphkreislauf.

Anders ausgedrückt werden durch kybernetische Interventionen Korrekturen synergetischer Prozesse [H. Haken, H. Schiepek, 2005] in sozialer, psychischer und somatischer Hinsicht möglich.

Jeder Patient  kommt somit bei einer kybernetisch geprägten Behandlung mit sich selbst, seinem sozialen und biologischen Umfeld in Berührung. Sie bietet eine Möglichkeit, ihn über somatische Symptome und soziale Konflikte, besonders aber über verinnerlichte Symbole, Bilder und Vorstellungen zu erreichen.

Für Viktor von Weizsäcker, den Begründer der Psychosomatik, war es die somatische Krankheit als solche, die mit ihrer Symbolik, Bedeutung und dem Zeitpunkt ihres Auftretens den Patienten charakterisieren [2008] . Karl Jaspers [2010], Philosoph, betonte in seiner Existenzphilosophie die von Bildern und Vorstellungen geprägte Existenz des Menschen, die ihn prägen („Ich sein, Selbst sein und Sinnsuche“). Bei C.G. Jung, Arzt und analytischer Psychologe, waren es die Symbole die das Ich widerspiegeln [C.G.Jung, 1913, 1968] [W.Roth, 2009]. Bei S. Freud [2000], Neurologe u. Psychoanalytiker, waren es die Konstrukte der Übertragungsphantasien, die den Patienten in Erinnerung und Gegenwart kennzeichnen. Für den Biophysiker H. v. Foerster [1985,1998] waren es die von Erkenntnis geprägten Konstrukte des Menschen und damit Patienten, die seine ihn tragende Wirklichkeit widerspiegeln. Für den Arzt und Chirurgen Hans Kilian [1963] war es der auch durch Gott geprägte Glaube von Arzt und Patient an dessen Heilung – und damit die von suggestiven und autosuggestiven Vorstellungen geprägte Stärkung des Immun- und Kreislaufsystems.