Kybernetisch geprägte psychologische Medizin

Wenn verinnerlichte Bilder, d.h. Symbole, Prägungen, Erfahrungen oder Konfliktmuster eines Menschen mit Sorgfalt und analytischem Vermögen herausgearbeitet werden, setzt dies eine interaktive Dynamik voraus, die von Information und Reaktion geprägt ist. In ihr findet das, was im Menschen selbst, zwischen ihm und seinem Umfeld geschieht, seinen Widerhall.

Kybernetisch geprägte Interventionen stützen sich dabei wie oben in anderen Worten dargestellt auf Information und Rückkoppelung (Wirkung – Reaktion – Wirkung – Reaktion), damit auf Selbstorganisation als zentrales Konzept.

Im Sinne N. Luhmanns [1984] geht Rückkoppelung sich selbst regulierender und sich selbst reproduzierbarer Prozesse aber nicht ohne Sinn. Dies bedeutet, dass eine Intervention ohne Sinn nicht wirken kann. Dieser ist gegeben, wenn ein Patient versteht, warum er sich beraten oder behandeln lässt und warum er sich anvertrauen soll, der Behandler bereit ist, ihn entsprechend geduldig und sehr ernsthaft zu würdigen.

In einem weiteren Prozess ist der Patient in der Lage, sich z.B. einem verbalen Eingriff in seinen Konfliktbereich angstfrei zu stellen. Der Therapeut ist in der Lage,

  • zu klären oder
  • in verbaler Form durch Spiegelung [P. Fonagy, 2002; M. Jacobini 2011; S. Mentzos, 1992; N. Ü, 2008],
  • durch Verhaltensanalysen [L. K. Miller,1997],
  • andere Sichtweisen [G. Schiepek, 1999] oder
  • neue Erkenntnisse [J. Piaget, 1971; K. Popper, 1984]

zu fordern, um selbstorganisierende bzw. synergetische [Haken, Schiepek, 2005] Prozesse in Gang zu setzen. Diese gelingen durch sich ändernde Rückkopplungen (Feedback-Prinzip). Auf eine positive Irritation oder Spiegelung reagiert der Patient anders als gewohnt, diese Reaktion bewirkt eine neue Intervention des Arztes oder Psychotherapeuten. Sie wirkt wieder korrektiv auf den Patienten, usw.