Psyche und Diabetes

  • „Wie kann ich im Alltag mit dem Diabetes besser zurechtkommen?“
  • „Meine Lebensqualität leidet unter dem Diabetes – was soll ich machen?“
  • „Wie bekomme ich das Essen in den Griff?“
  • „Was kann ich gegen meine Ängste und Depressionen tun?“

Diese Fragen stellen sich viele Diabetiker, entweder, wenn sie neu mit der Krankheit konfrontiert werden, oder, wenn sie nach Jahren müde geworden sind im „Kampf gegen“ ihren Diabetes. Wie können wir Menschen mit psychischen Erkrankungen helfen, mit dem Diabetes besser leben zu lernen? Wir brauchen dazu eine Diabetestherapie, die bei einem vertretbaren Aufwand möglichst viele Freiräume verschafft. „Es bringt nichts, sich über Unabänderliches immer wieder aufzuregen. Veränderungen im Umgang mit dem Diabetes sind möglich, wenn wir unsere Fähigkeiten, mit denen wir auch andere Probleme gelöst haben, weiterentwickeln und richtig einsetzen. Selten muss man etwas völlig umkrempeln. Es ist viel besser, die eigenen Kräfte in die richtigen Bahnen zu lenken“ sagt Axel Hirsch, ein Psychologe, der selbst vom Diabetes betroffen ist.

Was ist Diabetes?

Mit dem Begriff Diabetes wird eine Störung des Stoffwechsels bezeichnet, deren Hauptmerkmal ein erhöhter Blutzuckerspiegel ist. Ursächlich dafür ist entweder eine gestörte Insulinbildung (Diabetes mellitus Typ 1) oder eine gestörte Insulinwirkung (Diabetes mellitus Typ 2). Erhöhte Blutzuckerwerte können bei beiden Diabetesformen mit Folgeerkrankungen der großen und kleinen Gefäße einhergehen. Dies betrifft vor allem die Augen (Retinopathie), die Nieren (Nephropathie), das Nervensystem (Neuropathie), sowie das gesamte Gefäßsystem (Arteriosklerose). Um diese teilweise schwerwiegenden Folgen des Diabetes zu vermeiden, zielt die moderne Diabetesbehandlung darauf ab, langfristig akzeptable Blutzuckerwerte zu erreichen. In den letzten 20 Jahren hat das medizinische Wissen über den Diabetes und seine Behandlung rasant zugenommen und zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten geführt. Dennoch ist die medizinische Versorgung von Diabetikern nach wie vor unbefriedigend, da die meisten Betroffenen das Ziel einer normnahen Blutzuckereinstellung nicht erreichen. Dies gilt insbesondere für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Psychische Erkrankungen bei Diabetes

Die Angst vor Folgeerkrankungen und Unterzuckerungen, aber auch das erlebte Scheitern und das Gefühl der Hilflosigkeit bei dem Bemühen um eine gute Blutzuckereinstellung sind die stärksten Belastungen im Zusammenhang mit der Diabetesbehandlung. Diese können zu einer erheblichen seelischen Beeinträchtigung und zu Problemen in der erfolgreichen Behandlung des Diabetes führen. Depressive Störungen kommen bei Diabetikern doppelt so häufig vor wie in der Allgemeinbevölkerung. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass depressive Diabetiker in der Regel höhere Blutzuckerwerte haben und somit von den diabetischen Folgeerkrankungen deutlich häufiger betroffen sind. Bei depressiven Diabetikern ist die Lebensqualität erheblich vermindert, die Belastung durch den Diabetes wird als sehr beeinträchtigend wahrgenommen. Das Diabetesselbstmanagement ist für die Betroffenen deutlich erschwert (2).

Therapeutische Intervention

Angesichts der schwerwiegenden Auswirkungen von Angsterkrankung und Depression bei Diabetes erfasst eine ganzheitliche Behandlung Körper und Seele. Als Psychotherapeuten wollen wir Sie dabei unterstützen, mit Depressionen und Ängsten zurechtzukommen und gut für sich selbst zu sorgen. Die medizinischen Ziele richten sich auf eine Verbesserung der Stoffwechsel- und Blutdruckeinstellung und damit eine Verminderung der diabetesbezogenen Folgen. Wir wollen Ihnen eine gezielte Anleitung zum umfassenden, individuell ausgerichteten Selbstmanagement ihrer Erkrankung geben, damit Sie bestmöglich mit Ihrem Diabetes leben können. Neben der psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung bieten wir daher eine diabetologische Einzelbetreuung an. Diese umfasst zunächst eine ausführliche Anamnese und eine gründliche Diagnostik und Untersuchung gemäß des Gesundheitspasses Diabetes, ggf. einschließlich einer duplexsonographischen Untersuchung der wichtigsten Blutgefäße (Arteriosklerosescreening). Eine engmaschige diabetologische Begleitung kann Menschen mit Diabetes in die Lage versetzen, den Diabetes bestmöglich in das eigene Leben zu integrieren.  Die Einbeziehung der Angehörigen ist dabei, sofern gewünscht, selbstverständlich.

„Wir brauchen etwas Neues: Wir müssen lernen, in neuen Situationen neu nachzudenken“ (Bertolt Brecht).

Dr. med. Johannes Bauer
Internist, Diabetologe DDG, Angiologe
Ernährungsmediziner DAEM/DGEM, Psychotherapeut

Quellen:

  1. Mit Diabetes leben lernen, Axel Hirsch, PAL-Verlag
  2. Psychotherapeut 4.2008, S. 293- 304,  Petrak/Herpertz

Eine Antwort zu “Psyche und Diabetes”

  1. Erich W. BURRER sagt:

    EIN KLEINER RATSCHLAG den BZ nicht wesentlich zu erhöhen
    Bzw. das Diabetes,Risiko zumsenken
    Mit Koll.,Grüßen
    Menschen, die bestimmte Obstsorten verzehren, senken ihr Typ 2-Diabetes-Risiko. Dies fanden die Epidemiologen und Ernährungswissenschaftler um Qi Sun bei ihrer Analyse dreier US-Beobachtungsstudien heraus. Im Gegensatz zu ganzem Obst führt der Genuss von Obstsäften zu einer Erhöhung des Risikos, an Typ 2-Diabetes zu erkranken.

    Die Forscher untersuchten insgesamt 187.382 Studienteilnehmer dreier großer US-Kohortenstudien (Nurses‘ Health Study, Nurses‘ Health Study II und Health Professionals Follow-up Study), die regelmäßig zu ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten befragt werden. Ein Typ 2-Diabetes wurde bei 12.198 (6,5%) der Studienteilnehmer diagnostiziert.

    Da für alle Obstsorten zusammen keine protektive Wirkung nachgewiesen werden konnte, haben die Forscher die einzelnen Obstsorten unter die Lupe genommen. Den größten protektiven Effekt zeigte der Verzehr von Heidelbeeren, von denen drei Portionen pro Woche das Erkrankungsrisiko (Hazard Ratio, HR) um 26% auf 0,74 senkten. Weintrauben und Rosinen reduzierten das Risiko um 12%, Äpfel und Birnen um 7%.

    Eine Erhöhung des Diabetesrisikos wurde beim Verzehr von Honigmelonen (HR 1,10) errechnet. In vergleichbarem Maße wirkte sich der Genuss der gleichen Menge Obst in Form von Säften aus (HR 1,08). Wurde Obstsaft durch die Originalfrüchte ersetzt, senkte dies außer bei Erdbeeren und Honigmelonen das Diabetesrisiko (Heidelbeere 33%, Weintrauben und Rosinen 19%, Bananen 13%, Äpfel und Birnen 14%).

    Die Ursache für den anti-diabetischen Effekt bestimmter Obstsorten liegt dabei laut Sun nicht in ihrem glykämischen Index, allerdings trüge der Obstverzehr nur zu etwa 10% de glykämischen Last bei. Im Gegensatz zu ganzen Früchten könnte jedoch die hohe glykämische Last von Fruchtsäften ein Grund für deren Assoziation mit einem erhöhten Diabetesrisiko sein, so die Autoren.

    Obwohl die Forscher die Analyse für viele Kovariablen wie Lebensweise, BMI, physische Aktivität, Rauchen, Ethnie, gesunde Ernährung und Diabetes in der Familienanamnese adjustierten, räumen sie eine mögliche Verzerrung durch verbleibende oder nicht gemessene Störgrößen ein. Zudem wurden in den Fragebögen zum Obstgenuss individuelle Obstsorten zusammengefasst, die ähnliche Nährwertprofile haben. Daher können kein Aussagen zum protektiven Wert einzelner Obstsorten getroffen werden.
    Quellen:
    I. Muraki et al: Fruit consumption and risk of type 2 diabetes: results from three prospective longitudinal cohort studies
    (BMJ (2013): 347; doi: 10.1136/bmj.f5001)
    Obst senkt Diabetesrisiko, Obstsäfte aber nicht
    (ärzteblatt.de)

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