Psyche und Übergewicht

Von: | 29.08.2013 | ,
  •  „Wenn ich zu essen beginne, kann ich nicht mehr aufhören. Ich werde nie richtig satt.“
  • „Ich brauche das Essen als Entspannung.“
  • „Wenn ich nicht mehr essen darf, was ich will, dann bleibt mir überhaupt nichts mehr an Freude.“
  • „Seit ich Medikamente gegen die Depression nehme, esse ich mehr
    und mein Gewicht geht hoch.“

Diese Aussagen von Betroffenen haben eines gemeinsam: Es wird ausschließlich über das „Essen“ gesprochen. „Essen“ hat in Deutschland einen hohen Stellenwert und steht in der Genussliste von insgesamt 24 abgefragten Positionen ganz weit vorne (1).  Fachleute sprechen in der Beratung oft von „Ernährung“ und damit völlig am eigentlichen Problem vorbei. Der Begriff „Ernährung“ wird statt mit Lebensqualität eher mit schlechtem Gewissen und Frust verbunden. Wird in der Ernährungsberatung ständig über „Ernährung“ gesprochen, lässt sich zwar das Wissen verbessern, jedoch kaum das Verhalten ändern.

 

Ursachen des Übergewichts

In Deutschland haben – wie in den meisten Industrieländern – die meisten Menschen Übergewicht. Führen wir unserem Körper mehr Energie zu, als er zum Leben braucht oder durch Bewegung verbraucht,  legt er den Überschuss in Depotfett an. Übergewicht ist also die Folge einer positiven Energiebilanz. 500 Kilokalorien (1 Tafel Schokolade) täglich mehr, als wir benötigen- und schon haben wir in einer Woche ca. 1 Pfund zugenommen. Permanente Hunger- und Dürreperioden haben in der Entwicklung der Menschheit zur Ausbildung effektiver Überlebensprogramme geführt. „Gute Futterverwerter“ hatten dabei einen deutlichen Vorteil. Bis auf die letzten 60 Jahre hat es nie einen derartigen Überfluss an Nahrung gegeben, wie wir ihn heute genießen können. So ist auch heute der menschliche Organismus immer noch genetisch auf die Vermeidung von Mangelernährung programmiert, nicht aber auf den Schutz vor Überernährung (1). Übersetzt in einfache Botschaften lauten die Vorgaben für das Überleben in Zeiten mit knappem Nahrungsangebot: „ Iss, was du bekommen kannst!“, „Keine unnütze Bewegung!“.

 

Psychische Erkrankungen und Übergewicht

Allen Menschen ist das Hungergefühl angeboren. Essen wir etwas, lässt das Hungergefühl nach und es kommt zur Entspannung. Gleichzeitig erleben alle Menschen Situationen, in denen sie angespannt sind und es ihnen seelisch schlecht geht. Sowohl negative seelische Gefühle als auch Hungergefühle sind unangenehm. In beiden Zuständen fühlen wir uns angespannt und unwohl. Wir können nun die Anspannung mindern, indem wir etwas essen. Gleichgültig ob wir Hunger haben oder uns lediglich seelisch schlecht fühlen: das Essen hilft den meisten Menschen, sich kurzfristig besser zu fühlen und zu entspannen. „Essen kann zu einem Allheilmittel für seelische Probleme werden“ (2).

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