Therapieffektstudie

Weniger ist nicht immer mehr: Die Auswirkungen von Personalstabilität und Personaldichte auf die Behandlungsqualität (1)

Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass eine hohe Personalstabilität und -dichte im Gesundheitswesen viele Vorteile für die Mitarbeiter, die Organisation und vor allem für die Patienten mit sich bringt. Leider gibt es nur sehr wenige Forschungsergebnisse, die diese Aussage stützen und untersuchen, wie eine höhere Personalstabilität im Gesundheitswesen Kosten sparen und Behandlungsergebnisse verbessern kann. Zusätzlich liegt der Blick der bisherigen Untersuchungen in diesem Bereich hauptsächlich auf den Auswirkungen von Personalfluktuation auf die Einund Durchführung standardisierter Behandlungsprogramme, um eine Benachteiligung einzelner Dienstleister zu vermeiden. Für den Patienten hat dagegen in aller Regel höchste Wichtigkeit, dass er mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit geheilt wird oder zumindest seine Beschwerden gelindert werden und weniger die Art und Weise, wie die Behandlung durchgeführt wurde. In unserer Untersuchung, der weltweit ersten dieser Art, haben wir deshalb unseren Blick auf den Einfluss von Personaldichte, Personalstabilität und verschiedenen anderen möglichen Einflussfaktoren auf die Behandlungsqualität gerichtet.

Abbildung 1 Globale Behandlungsqualität

Abbildung 2 Zeitliche Schwankung Behandlungsqualität

Ergebnisse
Die globale Behandlungsqualität im Sinne einer Verminderung der Symptomschwere im Verlauf der Behandlung ist als sehr gut zu bewerten (Abb. 1). Gleichzeitig sind deutliche Schwankungen der Behandlungsqualität über die Zeit nachweisbar (Abb. 2). Diese Schwankungen sind nicht erklärbar durch saisonale Effekte, Geschlecht, Alter, Behandlungsdauer oder Belegungszahl. Wir finden auch keinen Zusammenhang zwischen Personalwechsel und Behandlungsqualität.

Wir finden aber zwei Faktoren, die sich günstig auf die Behandlungsqualität auswirken:

1. Eine höhere Personalstabilität (Länge der Zeit ohne Personalfluktuation) und

2. eine höhere Personaldichte führen zu einer Verbesserung der Behandlungsqualität.

Die positive Wirkung einer höheren Personaldichte kann durch die geringeren Kosten der Generierung neuer Ideen und den Austausch von Informationen zwischen verschiedenen Experten und verschiedenen Berufsgruppen erklärt werden. Mehr persönlicher Austausch verbessert den Informationsfluss und steigert die Effizienz, wenn Informationen unvollständig sind, sich schnell verändern oder nicht leicht zu verschriftlichen sind – Kernmerkmale der personalisierten Psychiatrie und Psychotherapie. Die positive Wirkung einer höheren Personalstabilität auf die Behandlungsqualität ist wahrscheinlich komplexer. Da eine der wichtigsten Basisvariablen der Psychotherapie die therapeutische Beziehung ist, argumentieren wir, dass die Behandlungsqualität deutlich sinkt, wenn Therapeuten in einer Atmosphäre der verminderten Beziehungssicherheit arbeiten und dadurch weniger in der Lage sind, selbst eine sichere therapeutische Beziehung zu bieten.

Unsere Ergebnisse unterstreichen den dringenden Bedarf für verstärkte Bemühungen um eine optimale Mitarbeiterbindung zu erreichen, sowohl zur Verbesserung der Behandlungsqualität als auch zur Senkung der Gesundheitsausgaben.

Dipl.-Psych. Alexander Georgi

 

(1) Brandt WA, Bielitz CJ, Georgi A (2016) The Impact of Staff Turnover and Staff Density on Treatment Quality in a Psychiatric Clinic. Frontiers in Psychology 7: . doi: 10.3389/fpsyg.2016.00457 Public Access: https://www.frontiersin.org/ articles/10.3389/fpsyg.2016.00457/full